Search

Soll ich gehen oder bleiben?


Nachdem ich meinen letzten Blogartikel schon dem großen Thema „Veränderung“ gewidmet habe, wird es nun etwas spezieller. Und zwar geht es konkret um eine Frage, die sich viele, viele Menschen im Berufsleben tagtäglich stellen: „Soll ich gehen, also kündigen, oder bleiben?“.


Vom ersten Unwohlsein bis zur Unerträglichkeit


Zuerst schauen wir uns an, wie es überhaupt zum Auftauchen dieser Frage kommt. Fast immer ist es ein schleichender Prozess, der uns überhaupt nicht bewusst ist. Es fängt langsam damit an, dass uns manche Situationen oder Aufgaben zu nerven beginnen, dass die Zusammenarbeit im Team negativer wahrgenommen wird, dass wir in unserer eigenen Tätigkeit immer weniger Sinn finden, von Erfüllung gar nicht mehr zu sprechen.

Vor allem dann, wenn uns die Arbeit ursprünglich viel Freude gemacht hat, können wir negative Entwicklungen am Anfang oft nicht so klar wahrnehmen bzw. neigen wir dazu, sie über einen gewissen Zeitraum zu verdrängen.


Wenn die negativen Erlebnisse und die Frustration aber stetig zunehmen, dämmert den meisten Menschen irgendwann, dass hier etwas ziemlich falsch läuft. Manch einen trifft diese Erkenntnis regelrecht wie ein Blitz. Man hat überhaupt nicht damit gerechnet, weil man schon viel zu lange in einem Zustand verharrt ist, der einem ganz subtil, aber dafür konsequent die pure Lebensenergie geraubt hat.


Wenn du dich jetzt genau an so einem Punkt wiederfindest, stellst du dir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Frage, wie es weitergehen soll. Also konkret, ob du kündigen und dich nach einem besseren Job umschauen oder dieser schwierigen Situation vielleicht doch noch eine Chance geben solltest.


Wenn du nicht gerade ein außerordentlich entscheidungsfreudiger und abenteuerlustiger Mensch bist, der sofort kündigt und erst mal eine Weltreise macht, um sich über den eigentlichen Sinn seines Daseins klar zu werden, befindest du dich an diesem Punkt sehr wahrscheinlich in einer ziemlichen Zwickmühle.


Was genau kannst du tun?


Normalerweise beginnen wir hier mit dem sorgfältigen Abwiegen zwischen den Vor- und Nachteilen jeder einzelnen Entscheidungsvariante. Dieses Vorgehen ist prinzipiell gut, weil es strukturiert ist und Klarheit im Kopf schafft. Das praktiziere ich selbst auch aus den genannten Gründen.


Es ist aber sinnvoll, noch besser hinzuschauen. Aufgrund der Kopflastigkeit einer Pro- und Contra-Liste, werden hier nämlich kaum die tieferen Ebenen berührt, die aber besonders wichtig sind. Also all das, was wir spüren, unsere Emotionen, unser Instinkt, die sogenannte innere Stimme oder auch die Entwicklungswünsche unserer Seele.


Um zu einer wirklich guten Entscheidung zu gelangen, ist es daher sehr empfehlenswert, alle Ebenen in den Prozess der Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Du kannst dir also zu jeder Variante unter anderem folgende Fragen stellen:

  • Wie geht es mir jetzt?

  • Wie werde ich mich fühlen, wenn ich XY mache?

  • Wie löst der Gedanke daran jetzt in mir aus?

  • Wo will ich im Leben hin, was will ich erreichen?

  • Was ist der tiefere Sinn meines Handelns, meiner Bestrebungen?

  • Bringt mich der Job XY wirklich weiter auf meinem Weg?

Eine weitere gute Möglichkeit ist das bewusste Beobachten der eigenen Emotionen. Überlege dir, wie viel Freude und wie viel Frustration du in deiner Arbeit und in deinem gesamten Leben erfährst. Du kannst auch schauen, welche Gefühle überwiegen. Die positiven oder die negativen? Dazu schreibst du einfach ein paar Tage lang alle Gefühle und Emotionen auf, die du erlebst. Anschließend gehst du alles Geschriebene durch und bekommst so ein klares Bild von deinem aktuellen Gefühlsleben, du kannst es sozusagen von Außen betrachten. Dadurch wirst du achtsamer und bewusster und das ist gut so.


Die für mich persönlich wichtigste Entscheidungsübung ist folgende: Überlege dir, welche Werte für dich in einer Arbeit am wichtigsten sind und notiere diese. Und dann schreibst du dazu, zu wieviel Prozent diese in deiner jetzigen Position erfüllt sind. Schau dir die Einzelergebnisse sowie das Gesamtergebnis an. Werte von insgesamt 75% und mehr zeigen ein gutes Ergebnis an, können aber durchaus Verbesserungspotenzial bedeuten. Wenn du insgesamt unter 50% erreichst, dann kann das auf eine demnächst fällige Kursänderung hinweisen. Wenn du irgendwo dazwischen liegst, ist es sinnvoll, nochmal genauer hinzuschauen und auch mögliche Veränderungen in der aktuellen Situation ins Auge zu fassen, ohne gleich kündigen zu müssen. Das empfiehlt sich aber bei fast jedem Ergebnis.


All diese Methoden können dich sehr gut darin unterstützen, deinen Weg zu finden und dir die Entscheidung wesentlich erleichtern. Probiere sie am besten einfach aus und schaue, was dir persönlich am meisten entspricht


Auch Warten kann Sinn machen


Mir ist klar, dass solche Entscheidungen für manche Menschen schwieriger zu treffen sind bzw. eine größere Tragweite haben als bei anderen. Zum Beispiel bei Menschen, die sich in finanziellen Notsituationen befinden und/oder die Verantwortung für andere Menschen tragen.


In manchen Situationen kann es daher durchaus Sinn machen, einen schwierigen Zustand zumindest kurzfristig aufrecht zu erhalten um existenzielle Probleme abzuwenden oder zu minimieren. Hier ist es ratsam, den kleineren gegen den größeren Schaden abzuwiegen. Ist es sinnvoll, an der aktuellen Situation festzuhalten und dafür eine echte Krise abzuwenden. Oder doch eher eine Veränderung einzuleiten, weil sonst ein so großer, zum Beispiel gesundheitlicher Schaden zu erwarten ist, der das Festhalten am Status Quo nicht rechtfertigt.


Aber selbst in solchen Situationen ist es möglich, sich die obenstehenden Fragen zu stellen und sich wirklich mit den eigenen Wünschen auseinanderzusetzen. Denn wenn irgendwann der Moment kommt, in dem sich eine neue Möglichkeit auftut, ist man darauf vorbereitet. Dieses Hinarbeiten auf ein Ziel, eine Vision ist auch sinnvoll, weil es den Horizont öffnet und die Selbstwirksamkeit steigert. Es ist dann tatsächlich leichter, Veränderungen aus eigener Kraft herbeizuführen.


Bewusstsein ist (fast) alles


Je achtsamer und bewusster ein Mensch ist, desto früher spürt er Unausgeglichenheit und Energieverlust in seinem Leben. Und umso früher kann dieser Mensch dann auch entgegensteuern. Es funktioniert wie Früherkennung und mit der Zeit sogar wie Prophylaxe. Wenn man sich selbst wirklich gut kennt, merkt man sofort, wenn etwas nicht stimmt und kann direkt handeln. Das ist wahres Self-Leadership, und jeder kann das lernen – auch du! Ich wünsche dir, dass du viel Freude und Leichtigkeit dabei findest. Es kann großen Spaß machen!


Bei sehr schwierigen Entscheidungen macht es dennoch fast immer Sinn, sich externe Untersützung zu holen. Gerade wenn jemand über einen sehr langen Zeitraum immer wieder die gleichen Probleme wälzt und der sogenannte Karren schon tief im Dreck steckt, kann das einen wichtigen Prozess in Gang setzen und dabei begleiten, die eigene Handlungsfähigkeit zu aktivieren und aufrecht zu erhalten.


Wenn du Fragen oder eine Meinung zu dem Thema hast, schreib mir gerne hier eine Nachricht. Ich freue mich, mit dir in Kontakt zu sein! 💕


Übrigens: Ich habe alle diese Tipps kompakt zusammengefasst und daraus einen praktisch anwendbaren Entscheidungsfahrplan erstellt. Und als besonderes Extra habe ich noch eine geniale Übung mit hinein gepackt, die deine Klarheit nochmal so richtig fördert! Wenn du dich hier anmeldest, schicke ich dir dieses PDF kostenlos zu, damit du es sofort verwenden kannst. Zusätzlich bekommst du monatlich Inspirationen rund ums Thema Berufung von mir.